AKTUELLE SONDERAUSSTELLUNG VERLÄNGERT BIS 1. JULI 2018!

Mittwoch, 21. März bis Sonntag, 1. Juli 2018
Vernissage: Dienstag, 20. März, 18.00 Uhr

«Jedes Bild, das ich gemalt habe, ist wahr». Rut Bischler und ihre Bilderwelt

Die Liestaler Kindergärtnerin und Musikerin Rut Bischler (*1937) leidet seit ihrem 37. Lebensjahr unter schweren Depressionen. In den 1990er-Jahren begann sie, die früher nie gemalt hatte, ihre Erfahrungen und Empfindungen in Bildern zu verarbeiten. Ein Teil davon wird nun erstmals in einem Museum gezeigt. Die Ausstellung wird ergänzt durch reich illustrierte Aufzeichnungen, die Rut Bischler von 1988 bis 2000 in zwölf Bänden niedergeschrieben hat.

In ihrer Kunst setzt sich Rut Bischler mit ihrer eigenen Lebenssituation, mit ihren Ängsten und Nöten auseinander. Das Malen ist für sie ein Akt der Selbstbehauptung in den Psychotherapien, die sie damals durchlief. Sie findet ausdrucksstarke Bilder für das schwer Aussprechbare, für die psychischen Schwankungen zwischen schwerer Depression und lichten Momenten, für die nicht verheilten Verletzungen, die jahrelanger sexueller Missbrauch in der Kindheit bei ihr hervorgerufen hatten.

Rut Bischler verwendet einfache Bilder aus der Natur, daneben auch religiöse Symbole und gelegentlich reale ins Bild eingefügte Gegenstände, die in eine klare, meist von Symmetrie geprägte Ordnung gebracht sind.

Im Zentrum aller Bilder steht als Alter ego der Künstlerin ein Mädchen, mal in fröhlicher, mal in gedrückter Stimmung, oft im Kampf mit seiner Umwelt. Die Bildsprache erinnert an Illustrationen von Kinderbüchern, erweist sich aber bei genauerer Betrachtung als doppelbödig: Die scheinbare Harmonie, die in vielen Bildern aufscheint, ist labil und gefährdet; die aufbauenden und die zerstörerischen Kräfte befinden sich in einem ständigen Widerstreit.

Zu den Bildern werden auch Texte präsentiert, die die wortgewandte Künstlerin verfasst hat. Es handelt sich manchmal um Erläuterungen, häufiger jedoch um weiterführende Reflexionen, vereinzelt auch um eine Art Meditation über das betreffende Bild.

Zur Ausstellung erscheint im Verlag Scheidegger & Spiess eine Begleitpublikation, in der die gesamte Serie grossformatiger Bilder, Texte der Künstlerin und ausgewählte weitere Werke gezeigt werden. Die Kunsthistoriker Rudolf Suter und Stefan Hess erläutern darin Rut Bischlers Werk im Kontext der Art Brut / Outsider Art, nachdem bereits 2004 ein grosser Teil der Bildserie in einer opulenten Publikation des S. Karger Verlags vorgestellt und aus medizinischer Sicht analysiert wurde (Rut, Gaetano Benedetti, Gottfried Waser: Trauma und Kunst. Sexueller Missbrauch und Depression / Trauma and Art. Sexual Abuse and Depression, Basel 2004).

Hintergrund von Ausstellung und Publikation bildet die Schenkung der gesamten Bildserie, um die sich auch renommierte auf Outsider Art spezialisierte Institutionen wie das Museum Gugging bei Wien bemüht haben, an die Stadt Liestal.

Publikation zur Ausstellung

Die reich bebilderte Begleitpublikation stellt die ganze Serie von 55 grossformatigen Bildern samt Erläuterungen der Künstlerin vor. Die Aufsätze des Basler Kunsthistorikers Dr. Rudolf Suter und des Kurators Dr. Stefan Hess verorten Rut Bischlers Werk im Kontext der Art brut / Outsider art und zeichnen die Entwicklung der Künstlerin nach. Der Katalog ist im Museum und im Buchhandel erhältlich.

Stefan Hess, Dichter- und Stadtmuseum (Hrsg.): Rut Bischler. «Jedes Bild, das ich gemalt habe, ist wahr». Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich 2018. Preis: Fr. 39.–

Sponsoring

Die Ausstellung mit Bildern von Rut Bischler wird unterstützt von:

Swisslos-Fonds Baselland

Jubiläumsstiftung der Basellandschaftlichen Kantonalbank

Stadt Liestal

 

Scheidegger-Thommen-Stiftung
sowie eine ungenannt bleibende Stiftung

Wir danken allen Sponsoren für ihre grosszügige Unterstützung!

 

 

Neupräsentation der Dauerausstellung zu Emma und Georg Herwegh.
Ab Dienstag, 30. Mai 2017:

Dinge erzählen Geschichte(n): Jubiläumsprojekt zum 200. Geburtstag von Emma und Georg Herwegh

Ihr Leben liest sich wie ein fesselnder Roman: Georg Herwegh, ein junger Stuttgarter Dichter im Schweizer Exil, erlebte 1841 einen rasanten Aufstieg zum literarischen Superstar und zur Symbolfigur einer jungen, bürgerlichen Generation, die nach Demokratie strebte. Die Berliner Bürgerstochter Emma Siegmund, die nach einer Wirbelwindromanze zu Emma Herwegh wurde, war eine unkonventionelle und tatkräftige Frau; sie führte einen Salon in Paris, zog aber auch in Männerkleidern und mit Pistolen bewaffnet mit ihrem Mann in die Revolution von 1848.

Das Ehepaar lebte ein turbulentes und intensives Leben, erfuhr internationale Berühmtheit, aber auch bittere Armut. In ihren Salons in Paris und Zürich ging die kulturelle und politische Elite ihrer Zeit ein und aus. Ihr Nachlass, der vom Dichter- und Stadtmuseum gepflegt und teilweise ausgestellt wird, breitet ein wahres Panorama des 19. Jahrhunderts aus, in das man fasziniert eintauchen kann.

Im Jubiläumsjahr 2017 möchte das Dichter- und Stadtmuseum dieses Panorama, das vom täglichen Leben bis zu den Künsten und Wissenschaften, von Familienangelegenheiten bis zur Politik reicht, neu zugänglich machen und spannend präsentieren. Neu erhalten die Besucher ein Tablet für die Dauer ihres Museumsbesuchs, mit dem sie die Herwegh-Ausstellung selbständig entdecken können. Die Exponate können auf der Benutzeroberfläche einfach angeklickt werden; ihr Bild lässt sich heranzoomen, sodass man Manuskripte mitlesen, Pinselstriche verfolgen oder eine Herstellerbezeichnung entziffern kann. Zusätzlich erzählen die Dinge aber auch Geschichten: Von der Pariser Februarrevolution von 1848, von Liebesbriefen oder vom Gefängnisausbruch Felice Orsinis – an packendem Material herrscht kein Mangel.

Die vom Basler Schauspieler Mario Fuchs eingelesenen Geschichten sind als Audiodateien abrufbar. Wer Hörbücher mag, wird sich mit Vergnügen von Geschichte zu Geschichte treiben lassen. Wer lieber liest, findet auch alle als Texte. Und eine Quiz-Schnitzeljagd, die Ihr neues Wissen testet, bietet einen amüsanten Abschluss des Museumsbesuchs.

 

Das Jubiläumsprojekt ‹Dinge erzählen Geschichte(n)› wird unterstützt von:

- Swisslos Basel-Landschaft 

- Jubiläumsstiftung der Basellandschaftlichen Kantonalbank

- Sulger-Stiftung

- Ruth und Paul Wallach Stiftung

- Werner Hasenböhler Stiftung