Carl Spitteler

Carl Spitteler als Student.

Carl Friedrich Georg Spitteler wurde als Sohn in die Familie eines protestantischen Richters und Landschreibers geboren und verbrachte seine Jugend in Bern. Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums und des Pädagogiums in Basel, trennte er sich 1864 aufgrund von Unstimmigkeiten über seine Berufslaufbahn von seiner Familie und zog nach Luzern.

Dort studierte er ab 1865 Jura und in Zürich und Heidelberg protestantische Theologie, obwohl er von seiner Weltanschauung her Atheist war. 1871 nahm er eine Stelle als Privatlehrer in der Familie eines finnischen Generals an, wodurch er Kontakte zu finnischen und baltischen Adelkreisen in Sankt Petersburg und Finnland knüpfte. Seine Eindrücke aus diesem Aufenthalt flossen später in die Erzählungen Ei Ole und Das Bombardement von Åbo ein. 1879 kehrte Spitteler in die Schweiz zurück und unterrichtete bis 1881 an der Einwohnermädchenschule in Bern. Später arbeitete er als Lehrer in La Neuveville und Journalist in Basel, unter anderem auch als Feuilletonredakteur für die Neue Zürcher Zeitung. 1883 heiratete er Maria Op den Hooff, eine frühere Schülerin. Zusammen hatten sie zwei Töchter.

Bereits 1880/81 schrieb Spitteler unter dem Pseudonym Carl Felix Tandem das zweibändige Epos Prometheus und Epimetheus, in dem er den antiken Prometheus-Mythos mit modernem Sinngehalt füllte.
Als Spitteler 1893 durch eine Erbschaft seines verstorbenen Schwiegervaters finanziell unabhängig wurde, liess er sich in Luzern mit seiner Familie als freier Schriftsteller nieder. Sein Erstlingswerk, wie auch weitere lyrische Arbeiten, blieben weitgehend ohne Echo.
Erst sein grosses Versepos «Olympischer Frühling» (1900-1905), in dem Spitteler in rund 20'000 Versen Figuren und Handlungsstränge der griechischen Mythologie in seine eigene, moderne Erlebniswelt transportierte, erfuhr positive Resonanz. Eingebettet in ein mythologisches Märchen, zeichnete Spitteler ein düsteres Bild vom Universum, das seiner pessimistischen Weltsicht entsprach.

1905 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich, 1915 von Lausanne. 1905 veröffentlichte Spitteler in seiner pessimistischen Weltsicht zwanzig Aphorismen gegen den Zeitgeist in einer Zugabe zu seinem Essayband "Lachende Wahrheiten" (1905): "Ein Büschel Aphorismen".
1920 wurde ihm als erstem Schweizer der Literaturnobelpreis "im besonderen Hinblick auf sein mächtiges Epos, Olympischer Frühling" verliehen. Im selben Jahr wurde er mit dem Grossen Schillerpreis ausgezeichnet.

Politisch trat Spitteler zu Beginn des ersten Weltkrieges für eine Neutralität der Schweiz ein. Zu seiner vielbeachteten Streitrede Unser Schweizer Standpunkt von Dezember 1914, in der er sich deutlich vom deutschen Nationalismus abgrenzte, sah er sich veranlasst, als sein Werk Prometheus und Epimetheus in Deutschland als Indiz für ein antidemokratisches, elitäres Denken benutzt werden sollte.
Spitteler starb am 29. Dezember 1924 in Luzern und wurde auf dem städtischen Friedhof Friedental beigesetzt.