Der dunkle Jura, dessen Hügel so traumhaft verwirrlich herumstehen, halb Obstgarten, halb Märchenwald, mit verlorenen Tälern und überraschenden Ausblicken in die blaue Rheinebene hinaus: er schafft das Klima, das in seiner Ausgeglichenheit nicht nur dem Körper bekömmlich ist, und er zeichnet einen Horizont so abwechslungsreich und unpathetisch, wie es in der Schweiz keinen zweiten gibt. Diese Landschaft, über der manchmal eine klassisch klare Luft blaut, steht irgendwie hinter meinem ganzen Schaffen.

 

Dichtung und Erlebnis, Zürich 1934

Der Tod – das ist die Wandlung. Und er hat uns alle angerührt. Und so sind wir alle verwandelt. So wahr wir noch leben, leben wir nicht mehr wie einst.
Die Gegenwart des Todes, die uns zu jeder Stunde umfängt, wird wie das Walten einer finsteren Gottheit geehrt. Man bringt ihr geheim die Opfer, die sie fordert, und öffentlich das Zeremoniell, dessen sie nicht bedarf. Hat man je ein Begräbnis nach Tieflandsitte gesehen, wenn einer aus der Schar der Gezeichneten weggegangen ist ? Sie, deren Ende vom ersten Tag an unsichtbar auf der Fiebertabelle irgendwo zwischen zwei Abendstunden eingetragen ist, sie sterben wie aus Versehen und ganz ohne Umstände. Sie gehen aus der Stille des weissen Bettes in die Stille des schwarzen Sarges über, und aus der Einsamkeit zwischen Lebenden in die Gemeinsamkeit der Toten. Man darf vielleicht sagen, dass sich an ihrem Zustand wenig ändert...

Davoser Stundenbuch, 1981, S.143-144